Angelika Overath: Flughafenfische.

In einem Flughafengebäude, wie es überall auf der Welt stehen könnte, bewegen sich Menschen wie Fischschwärme in einem überdimensionierten Aquarium. Für drei Menschen wird der Durchgangsort zu einer langen Wartezeit, in der sich ihnen existenzielle Fragen stellen. Thomas Winter pflegt die Tiere des Aquariums in der Transithalle. Es bleibt ihm viel Zeit, die Reisenden zu beobachten, die wie im Film an ihm vorüberziehen. Er sagt, er sammle ihre Müdigkeiten. Er wird auf eine Passagierin aufmerksam, die lange auf der Bank sitzt und intensiv die Fische beobachtet. Es ist Ellis, die Berufsfotografin, die übermüdet einen verspäteten Anschlussflug abwartet. Dies zwingt sie, ihre Rastlosigkeit zu unterbrechen. Erinnerungen und Gedanken steigen in ihr auf. Sie denkt an die vergangene Beziehung zu einem Piloten, dessen Beruf sie faszinierte. Thomas wagt es, die Frau, die seine Fische erstaunlich genau verfolgt, anzusprechen. Es entwickelt sich eine gegenseitige vorsichtige Annäherung. Im Raucherfoyer sinnt ein erfolgreicher Geschäftsmann, warum ihn seine Frau verlassen hat. Er gerät immer mehr in den Strudel seiner Gedanken und benebelt sich mit Rauch und Whisky. Die präzise Sprache mit der die Autorin akribisch Einzelheiten beschreibt, öffnet die Augen für einen Ort, den man gewöhnlich möglichst schnell hinter sich lassen will. Die äusseren Bilder werden zum Ausdruck der inneren Befindlichkeit der drei Menschen, die aus der Anonymität hervorgeholt wurden: Ort der Ruhe für die rastlose Ellis, des erwachenden Lebenswillens von Thomas Winter und der schmerzvollen Klarheit für den Raucher. Genau beschriebene seelische Zustände, die berühren. (Ursa Weiss)

Nenad Kovacic