Aargauer Literaturhaus Lenzburg

Lesen heisst …

… in die Fantasie eines anderen Menschen abzutauchen. Darin aufzugehen, ohne letztlich den eigenen Standpunkt ganz zu verlieren. Das Aargauer Literaturhaus engagiert sich für den Austausch zwischen Lesenden. Aus der Überzeugung, dass Literatur uns Menschen reicher macht. Und weil ein einziges Leben viel zu kurz ist, um die Höhepunkte der gegenwärtigen und vergangenen Literatur alle im Alleingang zu erklimmen. 

Lesezirkel für Erwachsene

Unser beliebtes Angebot für gesprächsfreudige, diskussionswütige oder einfach nur neugierige und interessierte Leserinnen und Leser!

 Martina Kuoni: Leiterin des Lesezirkels A 2019. Foto: Ly Aellen.

Martina Kuoni: Leiterin des Lesezirkels A 2019. Foto: Ly Aellen.

 Manfred Papst: Leiter des Lesezirkels B 2019. Foto: NZZ am Sonntag.

Manfred Papst: Leiter des Lesezirkels B 2019. Foto: NZZ am Sonntag.

 Lydia Zimmer: Leiterin des Lesezirkels A 2018. Foto: Mette Johnsen

Lydia Zimmer: Leiterin des Lesezirkels A 2018. Foto: Mette Johnsen

 Martin Zingg: Leiter des Lesezirkels B 2018. Foto: Literaturhaus.

Martin Zingg: Leiter des Lesezirkels B 2018. Foto: Literaturhaus.

Der Lesezirkel im Literaturhaus trifft sich fünf Mal jährlich zum intensiven Austausch über ausgewählte Werke der deutschsprachigen Literatur. Nach einem (Kalender-)Jahr können sich die Teilnehmenden wieder für einen neuen Zyklus mit einem neuen Leiter bzw. einer neuen Leiterin anmelden.

Die professionelle Leitung des Lesezirkels trifft vor Beginn eines Diskussions-Zyklus’ die Werkauswahl. Diese kann thematisch, historisch, geografisch etc. motiviert sein, klassische Werke und Neuerscheinungen kombinieren.

Von den Teilnehmenden wird erwartet, dass sie die zur Diskussion stehenden Werke jeweils im Vorfeld eines Lesezirkel-Abends gelesen haben.

Seit 2017 wird der Lesezirkel wegen grosser Nachfrage in zwei Kursen doppelt geführt.

Programm/Lektüren der Lesezirkel 2019

Programm/Lektüren der Lesezirkel 2018

Wortinsel für junge Erwachsene

Die Wortinsel ist ein neues Projekt zur Förderung junger Literatur-Interessierter und Schreibender; es ist zurzeit noch in Vorbereitung.

Wir empfehlen

Wir bieten Ihnen persönliche Empfehlungen zu Büchern bei einem Glas Wein. Die Herbstlese bzw. das Frühlingserwachen: Ein Gast und ein/e Vertreter/in des Aargauer Literaturhauses stellen an diesen Abenden, die ein bis zwei Mal pro Jahr stattfinden, jüngste Lieben, Geheimtipps, unbedingt zu entdeckende Neuerscheinungen vor. Wer mag, schliesst sich mit einer Literaturempfehlung an. In der Summe entsteht ein vielfältiger, reicher Leseproviant.

Die nächste Herbstlese / das nächste Frühlingserwachen:
15. November 2018 - in enger Zusammenarbeit mit unserer Partnerin, der Buchhandlung Otz.
Vgl. die Ankündigung in unserem Veranstaltungsprogramm.

 

Leseempfehlungen aus dem Literaturhaus

Joshua Cohen:
Buch der Zahlen

Schöffling & Co. 2018

Cover Joshua Cohen.jpg

Der Roman Book of Numbers (Buch der Zahlen. Schöffling & Co. 2018) des jungen amerikanischen Autors Joshua Cohen ist ein unvergessliches, zugleich verspieltes und nachdenklich stimmendes Buch, das einen in die Abgründe einer durchdigitalisierten, nicht so weit entfernten Zukunft blicken lässt. Joshua Cohen ist hier der Erfinder einer Suchmaschine, die erfragte Inhalte nicht nur finden lässt, sondern auch selbst generiert, fall sie nicht schon vorhanden sind - man denke über die Konsequenzen nach! -, und J.C. ist gleichzeitig der mittellose, seriöse Autor, der beauftragt ist, die Autobiografie seines mächtigen, reichen Namensvetters zu schreiben. Ein Text also, der mit Spiegelungen, aber auch mit Spielarten von Ähnlichkeiten und überraschenden Verfremdungen arbeitet. Köstlich ist unter anderem ein spannender Exkurs über die Geschichte der Fernbedienung. Joshua Cohen - also, damit es keine Verwechslungen gibt, der Autor dieses Buches, das wir Ihnen hier vorstellen - kombiniert avantgardistische Textverfahren mit brisanten Themen aus unserer Lebenswelt des 21. Jahrhunderts. Ein Text auf der Höhe der Zeit!

Bettina Spoerri

Urs Faes:
Sommer in Brandenburg

Suhrkamp 2014

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Eigentlich erst während der letzten drei bis vier Jahrzehnten wurde von namhaften Autoren begonnen, das grosse Trauma des 20. Jahrhunderts, die Shoah, literarisch zu verarbeiten. Nun hat der Schweizer Schriftsteller Urs Faes sich des Themas mit dem berührenden Buch Sommer in Brandenburg in ganz besonderer Weise angenommmen. Mit grossem Einfühlungsvermögen beschreibt er den Alltag junger jüdischer Menschen im Landwerk Ahrendsdorf während der Jahre 1938 bis 1939. Die Institution auf einem Gutshof im Land Brandenburg war eines der Landwerke, der sog. Hachscharot, die bis in den Sommer 1939 von den Nazis geduldet, Jugendliche auf ein hartes Pionierleben in einem Kibbuz in Palästina rüsten sollte. Hier nun schildert der Autor in seinem Buch die aufkeimende und sich entfaltende Liebe zweier junger Menschen, von Ron aus Hamburg und Lissy aus Wien. In ihren Herkunftsorten wie im ganzen Reich hat die Judenverachtung und -verfolgung drastische Formen angenommen. Die Sorgen und Ängste um ihre Angehörigen begleiten die Jugendlichen andauernd. In Briefen und kurzen Telefonaten vernehmen sie von Misshandlungen, plötzlichem Verschwinden von Vätern, Plünderungen von Geschäften, angezündeten Synagogen, aber auch von geglückten Ausreisen nach England oder Schweden mit der ganzen Habe in zwei Koffern. Und sie selbst, werden sie zu denen gehören, die eine Ausreise-Bewilligung erhalten? Werden sie beide zusammen bleiben können? Sollen sie gar versuchen, illegal über den Balkan Palästina zu erreichen? Urs Faes versteht es, in seiner bildstarken unprätentiösen Sprache in meist kurzen Sätzen die Atmosphäre im Landwerk, die Stimmung zwischen Angst und Hoffnung zu beschreiben. Dabei ist die Arbeit in der Landwirtschaft und der Schreinerei hart, nicht einfach für die zarten Mädchen- und Schülerhände. Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf die Siedlung durch fanatisierte jugendliche Nazibanden. Trotzdem werden auch kleine Feste gefeiert, man trifft sich zu unbeschwerten Abendrunden. Und plötzlich wieder das Motorengeheul hereinstürmender Gestapoleute. Lissy gehört zu den Glücklichen einer letzten Ausreisegruppe. Ron wird bleiben. Ihre Liebe aber wird überdauern, diese Liebe, die der Autor behutsam zu malen versteht. Mit sicherem Gespür versteht er sie zu verbinden mit Beschreibungen fein beobachteten Stimmungen der in der Natur voller Poesie. Urs Faes hat für sein Buch ausgiebig und intensiv recherchiert, an ihnen haben die Leser in drei „Nacherzählungen“ teil. Ein zutiefst berührendes Werk gegen das Vergessen.

Erich Lüthi

(Dies ist eine Rezension aus unserem Büchernetz-Projekt)

Péter Nádas:
Aufleuchtende Details

Rowohlt 2017

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In diesem meisterhaften Text des ungarischen Schriftstellers und Fotografen Péter Nádas tritt ein weitgespanntes Netzwerk von Figuren auf die europäische Bühne des 20. Jahrhunderts. Die Jahre 1942 bzw. 1944 bis 1956 bzw. 1958 bilden dabei die Kern-Zeitspanne, aber der Text greift durchaus weiter aus, zurück ins 19. Jahrhundert und mit einem Blick, der um die unmittelbare Gegenwart Europas weiss. 1944 bis 1956, das sind die Jahre der Kindheit von Nádas von seinen allerfrühesten Erinnerungen bis zur Schwelle des Erwachsenwerdens, und es sind zwar Szenen, Bilder, Begegnungen aus der Kindheit, die hier kritisch unter die Lupe genommen werden, aber mehr noch als von selbst erzählt der Autor über das politische-soziale Biotop, in dem er aufgewachsen ist, über die Erwachsenen, die er früh zu beobachten begann, gleichsam aus einem Zwang zur Beobachtung heraus. So, wie Nádas von einer weitverzweigten Familie, über bis sechs Generationen zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, vom europäischen Kontinent in den Umbrüchen des Zweiten Weltkriegs, der Judenverfolgung, vom kommunistischen Regime in Ungarn, von der Recherche am Ort eines Internierungslagers in Frankreich auf den Spuren von Verwandten und schliesslich auch vom Tod seiner Mutter, dem Suizid seines Vaters und dem Aufstand von 1956 schreibt, erfährt man das Lesen, als blicke man in ein sich ständig bewegendes Kaleidoskop. Die Beobachtungen des Kindes und die Reflexionen des Erwachsenen greifen auf die Erinnerungen zu, drehen und wenden sie, so dass sie immer wieder neue Betrachtungen erlauben. Was nebensächlich erschien, wird zum Zentrum, vermeintlich Prägendes erweist sich als Deckerinnerung, hinter dem, was sich in den Vordergrund gedrängt hat, zeigt sich das Verborgene, Verschwiegene, das viel nachhaltiger weiterwirkt. Nádas’ Erzählung schöpft aus Erinnerungs-Bildern, rekonstruiert auch mit Hilfe von erhaltenen Briefen, Gerichtsdokumenten, Zeitungsartikeln, Memoiren von Familienmitgliedern, Fotografien, Untersuchungen, veröffentlichten Forschungsergebnissen – um nur einige der Dokumenten-Arten zu nennen, die im Text explizit erwähnt werden. «Aufleuchtende Details» ist minutiöse Durchdringung und Befragung von Erinnerung, schonungslose Beobachtung und Analyse, dann wieder gewinnt er Übersicht, reflektiert und hinterfragt sein Erzählen, wird zum Essay, benennt Parallelen oder Vektoren in die Gegenwart.

Bettina Spoerri

Angebote für Lesegruppen

Wir bieten Lesegruppen – lose organisierte oder seit Jahren etablierten – besondere Angebote und danken für Kontaktaufnahme und Information über Ihre Lesegruppe und Ihre literarischen Interessen. Als Lesegruppe können Sie sich bei uns melden und nach einem «Meet & Greet» mit einem/r Autor/in aus unserem Literaturhausprogramm fragen oder sich zu reduziertem Eintrittspreis als Gruppe zu einer Lesung anmelden.

Oder haben Sie eine andere Idee, ein anderes Anliegen?

Angebote für Schulen

Die hier folgenden Angebote werden vom Impulskredit unterstützt und können von Ihnen mit dem Antragsformular bei Kultur macht Schule beantragt werden. 

Ansprechperson im Literaturhaus:
Pia Rohr, rohr@aargauer-literaturhaus.ch

 
 Rechts: Buchcover, links Alice Gabathuler. Foto: zVg

Rechts: Buchcover, links Alice Gabathuler. Foto: zVg

LESEPLATZ

Jedes Jahr im Herbst laden das Aargauer Literaturhaus, die Kulturkommission Lenzburg und die Stadtbibliothek Lenzburg Schulklassen aus der Region zum «Leseplatz» ein. Immer stufengerecht. Und jedes Mal mit einem anderen Gast.

AM 25. OKTOBER 2018 LIEST ALICE GABATHULER AUS «HUNDERT LÜGEN» 

Wie viele Lügen haben in zehn Jahren Platz? Hundert? Tausend? Hunderttausend? Zu viele. Die Geschwister Manon und Kris waren unzertrennlich. Bis ein Sommercamp ihre unbeschwerte Kindheit brutal beendete. Ihre Familie zerbrach, ihre Leben drifteten auseinander. Während Kris seinem inneren Monster davonläuft, verliert sich seine Schwester Manon in ihren Gefühlen. Drohbriefe an ihren Vater bringen die beiden wieder zusammen – und aus den Spielen von einst wird zum zweiten Mal blutiger Ernst. Verdächtigungen. Anschuldigungen. Lügen. Und am Ende aller Lügen wartet unbarmherzig die Wahrheit.

 Martin R. Dean. Foto: Claude Giger.

Martin R. Dean. Foto: Claude Giger.

Autor/innen in Schulen

Autor/innen sind auch nur Menschen. Umso selbstverständlicher sollten die Begegnungen mit ihnen sein – Begegnungen, bei denen die Schüler und Schülerinnen auch das ganz Alltägliche fragen kann: Ist Ihnen auch schon eine Geschichte beim Abwaschen eingefallen? Müssen Sie eine Idee sofort aufschreiben? Haben Sie beim Erfinden auch schon mal den Faden verloren?

Das Aargauer Literaturhaus organisiert Begegnungen zwischen Schulklassen und Autor/innen – weil einem die Menschen hinter den Büchern die Bücher am besten näherbringen. Sei es im eigenen Klassenzimmer oder in den Literaturhaus-Räumlichkeiten. Dieses Angebot wird vom Impulskredit unterstützt.

Für eine allfällige Vorbereitung der Schullesung im Unterricht steht das Literaturhaus gerne beratend zur Verfügung. Die meisten unserer (Atelier-)Gäste kommen auch gerne zu Besuch in eine Schule.

 Meret Gut und Cornelia Travnicek im Gespräch. Foto: Miklós Klaus Rózsa

Meret Gut und Cornelia Travnicek im Gespräch.
Foto: Miklós Klaus Rózsa

Meet & Greet

«Meet & Greet»: So heisst es, wenn ein einzelner glücklicher Gewinner vor dem Konzert oder der Filmpremiere mit dem Sänger oder der Schauspielerin sprechen kann. Bei uns im Aargauer Literaturhaus ist das unkomplizierter: Viele Autorinnen und Autoren freuen sich, vor oder nach ihrer Lesung ein Gespräch mit Schülerinnen und Schülern zu führen, Fragen zu beantworten und von ihrem Schreiben zu erzählen. 

Interessierte Lehrpersonen (oder auch private Gruppen) können sich beraten lassen oder einfach anfragen, ob der/die Autor/in ihrer Wahl in unserem Programm für eine solche persönliche Begegnung vor der Lesung zur Verfügung steht.

Wichtig ist eine frühzeitige Anfrage, bis mind. drei Wochen vor der entsprechenden Veranstaltung an rohr@aargauer-literaturhaus.ch.