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«brüten wir die welt neu aus» - Verena Stefans «Häutungen»
Feb.
10

«brüten wir die welt neu aus» - Verena Stefans «Häutungen»

«brüten wir die welt neu aus» - Szenische Lesung zu Verena Stefans «Häutungen»

Verena Stefan, 1947 in Bern geboren, gehörte zu den Mitbegründerinnen der Gruppe «Brot und Rosen», die ein neues Bewusstsein für den weiblichen Körper und dessen Sexualität schuf. Dieser sich international verwurzelnde Feminismus war zu jener Zeit in seiner Form und intellektuellen Ausprägung neu. In einem der damals gegründeten Kleinstverlage, «Frauenoffensive», gab Verena Stefan 1975 ihr Debüt «Häutungen» heraus, das mit einer halben Million verkaufter Exemplare sehr bald ein riesiger, auch unerwarteter Erfolg wurde.


Es handelt sich bei «Häutungen» auch 50 Jahre nach seinem Erscheinen um einen Text von bestechender Aktualität wie Qualität. Verena Stefan zeichnet darin nicht nur die untrennbaren Verbindungslinien zwischen Sexualität, Körperlichkeit und Begehren nach, über die sich Machtverhältnisse und hierarchische Ordnungsgefüge konstituieren, sondern entwirft ein poetisches Verfahren – einen Mix von autobiographischen Aufzeichnungen, Gedichten, Träumen, Analysen – womit sie den weiblichen Körper mit einer Sprache aus „Hautworte[n]“ neu einkleidet.  

«Häutungen» vermittelt so Wissen über Genderrollen, Sexualpraktiken, Heteronormativität und Begehrensstrukturen, und entwirft gleichzeitig die literarischen Genres, die für den Diskurs und eine dazugehörige neue Sprache benötigt werden.

 

Diesem fulminanten Start liess Verena Stefan ein reichhaltiges Werk folgen, das von biografisch unterfütterten Romanen, wie «Die Befragung der Zeit», worin sie von ihrem Grossvater, dem Dorfarzt, der mehrfach wegen vorgenommener Abtreibungen inhaftiertem wurde, erzählt, über literaturgeschichtliche Texte wie «rauh, wild und frei», worin weibliche Figuren verschiedenster Werke miteinander in einen Dialog treten, hin zu Gedichtbänden und Übersetzungen reicht.

 

Aus dem Gesamtwerk von Verena Stefan hat Tabea Steiner Zeilen, Zitate und Auszüge erlesen, die sich, neu zusammengesetzt, zu einem sprachlichen Gewebe fügen. Während Kathrin Veith den Text aufklingen lässt, reichert ihn Dinah Wernli mit Farbe an. Stoffe fliessen, und aus Bewegung, Sprache und Strukturen schlüpft schliesslich, für einen Moment, Verena Stefans literarische Welt.

Die Inszenierung «brüten wir die welt neu aus» – ein Zitat aus «Häutungen» – bringt dieses Werk als sprachliches Arrangement auf die Bühne.

 

Szenische Lesung: Kathrin Veith
Illustration, Farbe, Stoff: Dinah Wernli
Inszenierung: Maja Bagat und Anouk Gyssler
Konzept: Mariann Bühler und Tabea Steiner

Zu der Webseite “brüten wie die Welt neu aus” gelangt ihr hier.

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